Pack, On the Rocks, Getsuen begleiten die Betrachtung der Werke „Face to Face“ auf der vorherigen Seite und „Light Boxes“ auf dieser Seite.
Oktober 2026
My light years
Zwischen Ambient-Music, generativer Kunst und audiovisuellen Installationen definiert Brian Eno (mit vollem Namen Brian Peter George St. John le Baptiste de la Salle Eno) seit über vierzig Jahren die Beziehung zwischen Klang, Bild und Wahrnehmung immer wieder neu. Die im Ospedale Vecchio in Parma eingerichtete Ausstellung My Light Years ist seine erste große europäische Einzelausstellung, die der Erforschung von Licht und Klang als künstlerischen Medien gewidmet ist – ein Parcours, der durch Video Paintings, generative Arbeiten, Lightboxes und immersive Räume führt.
Eno – Vater der Ambient-Music und Pionier der generativen Kunst – begreift seine Werke als offene Systeme in ständiger Transformation, in denen sich Bilder, Farben und Klänge langsam verändern, ohne sich jemals zu wiederholen: In seiner Vorstellung ist Kunst eine sensorische Landschaft, die den Körper einbezieht und die Wahrnehmung des Raumes verändert.
Im Flügel des Ospedale Vecchio wird die historische Architektur des ehemaligen Krankenhauskomplexes zum idealen Resonanzraum für Werke, die mit entschleunigter Zeit arbeiten. Die ersten Video Paintings der 1980er Jahre – Mistaken Memories of Mediaeval Manhattan, Thursday Afternoon und Portraits – zeigen das Bestreben, sich einer Malerei in Bewegung anzunähern: fast statische, verlangsamte Bilder, die von unmerklichen Lichtveränderungen durchwoben sind.
Die Blicke der Porträtierten scheinen dem Besucher zu folgen, während minimale Nuancen in der Mimik ein Gefühl von Präsenz erzeugen. Der gedehnte Rhythmus des Bildmaterials und die Kontinuität zwischen Klang und Licht vermitteln dem Betrachter das Gefühl, die Szene zu betreten und an ihrer schwebenden Zeit teilzuhaben. Das Ergebnis ist fast hypnotisch: Nichts Spektakuläres geschieht, und doch kann man sich dem Anblick kaum entziehen.
Im weiteren Verlauf des Parcours tauchen die berühmten Lightboxes auf, Lichtskulpturen, in denen sich die Farbe in weichen, pulsierenden Flächen aufzulösen scheint, sowie 77 Million Paintings, eine große generative, audiovisuelle Installation, bei der visuelle Kombinationen algorithmisch und in Echtzeit erzeugt werden.
Die Inszenierung verzichtet auf jegliche spektakuläre Monumentalität; stattdessen baut sie eine stille Beziehung zum historischen Raum des Ospedale Vecchio auf. Die Werke wirken wie pure, von jeglichem Überbau befreite Präsenzen, begleitet von einem eigens für Parma komponierten Soundtrack. Die Möbel von Edra – technischer Partner der Ausstellung – tragen zur Dimension des Verweilens und der Kontemplation bei, indem sie weiche, informelle Inseln in den Parcours einbringen, die zum Zuhören und Rasten einladen.
Ein weiterer Teil der Ausstellung unter dem Titel Seed erweitert die Erzählung über Enos kreatives Universum im Complesso Monumentale di San Paolo (einem ehemaligen Benediktinerkloster). Dort setzt sich der Weg mit Installation for Giardini di San Paolo fort, einer ortsspezifischen Audioarbeit, die gemeinsam mit der türkischen Journalistin und Autorin Ece Temelkuran entwickelt wurde. Konzipiert, um im Raum und in der Zeit der Stadt zu leben, ist das Werk ein gemeinschaftliches Hörerlebnis: Rund drei Monate lang ist das Publikum eingeladen, es zu erleben. Die Essenz daraus wird im Rahmen eines Field Recordings festgehalten und auf Vinyl gepresst, das anschließend von Eno selbst als Unikat für die permanente Sammlung der Casa del Suono (einem Museum und Forschungszentrum für audiovisuelle Kunst) angefertigt wird. Eine Geste, die die Ausstellung in ein Klanggedächtnis verwandelt und eine Spur der Zusammenarbeit zwischen dem britischen Künstler und der Stadt Parma hinterlässt.





